Handelsübliches Rattentrockenfutter

Mittlerweile gibt es eine recht große Auswahl an fertigen Trockenfuttersorten für Ratten zu kaufen. Welche man individuell füttert, ist ein Stück weit Geschmackssache: Es sollten kein Zucker, Melasse, Zuckerrübensirup und andere zuckerhaltigen Zusätze enthalten sein, der Fettgehalt nicht zu hoch sein und nicht zu viele Dickmacher wie etwas Sonnenblumenkerne, Mais oder Nüsse enthalten sein. Auch Farbstoffe haben in Ratenfutter nichts zu suchen (Ratten fehlen im Auge die Zapfen für Rot; sie haben lediglich Zapfen für Blau und Grün, was die Farbwahrnehmung im Vergleich zum Menschen stark verändert). Man hat bei käuflichen Futtersorten die Auswahl zwischen Futtermischungen aus verschiedenen Körner oder Futterpellets. Ob man lieber loses Futter füttert oder auf Pellets, wo keine Ratte Bestandteile bevorzugt fressen kann, zurückgreift, ist ein Stück weit einfach Ansichtssache. Bei einer losen Mischung können die Ratten im Futter wühlen, sich die besten Stücke heraussuchen, mit ihren Rudelmitgliedern um diese zanken und ihre Motorik und ihr Geschick wird durch verschieden große Futterbestandteile geschult. Pellets verhindern, dass z. B. dicke Tiere vorrangig die Dickmacher aus dem Futter heraussuchen und dass Streit um Leckerbissen entsteht.

Allgemein als Nagerfutter deklarierte Futtersorten oder für angeblich mehrere Tierarten geeignetes Futter, gehört nicht in den Rattenkäfig: Meist sind diese Futtersorten für überhaupt keine Tierart geeignet, weil die verschiedenen als Haustiere gehaltenen Nagetiere und nagetierähnlichen Tiere in ihren Ansprüchen im Detail so verschieden sind, dass ein Futter ganz einfach unmöglich so gestaltet werden kann, dass es für alle optimal ist.

 

Trockenfutter selbermischen 

Statt im Handel gängigerweise käufliches Rattenfutter zu kaufen, mischen einige Rattenhalter ihr Trockenfutter selbst. Der Grund dies zu tun ist meist der Wunsch, genau zu wissen, was im Futter enthalten ist, nur natürliche Inhaltsstoffe im Futter zu wissen und nur bekannte Komponenten. Käufliche Trockenfutter enthalten manchmal Komponenten, die die Hersteller nicht genauer deklarieren oder deren Herkunft und Qualität unklar ist (z. B. diverse Nebenerzeugnisse) und es werden Vitamin- und Mineralstoffzusätze beigemischt.

Futter selbstmischen heißt allerdings nicht, dass verschiedene käufliche Trockenfuttermischungen gekauft und vermischt werden. Dadurch verschiebt man nur das Nährstoffverhältnis der einzelnen, eigentlich rattengerecht abgestimmten Mischung, womit das Ergebnis so einer Vermischung verschiedener Fertigfutter immer schlechter geeignet ist, als es die einzelne Mischung an sich ist und zu Fehl- und Mangelernährung führen kann. Selbstmischen heißt genauso wenig, dass man Futtersorten für andere Tierarten (wie z. B. Papageien oder andere Nager) mit diversen Körnersorten ergänzt oder einfach in den Küchenschrank schaut, was man noch an Müsli zu Hause hat und dieses mit weiteren Körnersorten ergänzt oder dass man im Supermarkt einfach mehr oder weniger nach dem Zufallsprinzip verschiedene rattengeeignete Körnersorten kauft und zu Hause zusammen mischt. Das alles sind Beispiele für eine willkürliche Vorgehensweise, die den Ratten auf keinen Fall zu Gute kommt, weil in keinem Fall garantiert werden kann, dass das Endprodukt alle Nährstoffe in den Mengen enthält, wie Ratten sie benötigen.

Nein, Trockenfutter selbstmischen muss gut überlegt sein und erfordert einiges an Wissen. Bevor man sich an das Selbstmischen von Trockenfutter macht, sollte man sich darum sehr ausführlich in die Ernährung von Ratten und auch in Informationen über die einzelnen Nährstoffe (Proteine, Fette, Kohlenhydrate, Vitamine, Mineralstoffe), sowie deren Funktionen, Aufgaben und Zusammenspiel im Körper einlesen. Dieses Wissen sollte man sich zuerst in aller Ruhe und Ausführlichkeit aneignen, bevor man überhaupt darüber nachdenkt, wie die eigene Futtermischung konkret aussehen könnte. Wem das zu viel Arbeit erscheint oder wer sich damit überfordert fühlt, das komplexe Zusammenspiel verschiedener Nährstoffe zu verstehen, dem sei natürlich kein Vorwurf gemacht, aber dem sei dringend geraten, die Hände vom eigenen Selbstmischen zu lassen, denn so gut ein vernünftig selbst zusammengestelltes Trockenfutter sein kann, so leicht kann man dabei Fehler machen, die dann zu einer Fehl- bzw. Mangelernährung führen. Früher oder später führen Fehl- und Mangelernährung zu Krankheiten oder verkürzen allgemein die ohnehin schon kurze Lebensdauer der Ratten.

 

Eine reine Körnermischung kann die benötigten Vitamine und Mineralstoffe nicht alle abdecken. Käufliche Fertigfutter haben aus diesem Grund Vitamin- und Mineralstoffzusätze, die das Selbstmischfutter nicht hat und auch nicht haben soll. Das Ziel von selbstgemischtem Futter ist ja genau, dass der Halter weiß, was im Futter enthalten ist, und dass keine undefinierbaren Bestandteile und Zusätze vorhanden sind.

Zum Ausgleich müssen die fehlenden Nährstoffe zugefüttert werden. Absolut notwendig beim Selbermischen von Trockenfutter ist die tägliche Fütterung von verschiedenem Gemüse und ab und zu Obst, um den Vitaminbedarf der Ratten zu decken. Außerdem muss eine gewisse Menge tierische Nahrung zugefüttert werden, da bestimmte essentielle Aminosäuren (z. B. Methionin und Lysin) nicht ausreichend in pflanzlicher Nahrung vorkommen und Vitamin B12 überhaupt nur in tierischen Nahrungsmitteln zu finden ist. Diese können je nach Mischung über Eier, Käse, Fleisch, Fisch oder Geflügel ergänzt werden.

 

Getrocknete Kräuter/ Blüten/ Trockengemüse/-obst

Immer wieder liest man mittlerweile von Selbstmischungen und dabei fällt auf, dass sehr viele davon getrocknete Kräuter/ Blüten und/oder Trockengemüse/-obst enthalten.
Diese Bestandteile enthalten durch die Trocknung in sehr konzentrierter Form die Nährstoffe, v. a. Mineralstoffe und Spurenelemente. Bei der Berechnung von Mischungen habe ich selbst mehrmals versucht auch solche Zutaten mit einzubeziehen, weil sie auf dem ersten Blick durchaus attraktiv sind: Sie bieten zusätzliche Abwechslung und an sich sind Kräuter, Gemüse oder Obst schließlich gesund. Allerdings lassen, durch die hochkonzentrierten Nährstoffe, schon kleinste Mengen (unter 4-5% der Gesamtmischung) die Werte für einigen Nährstoffe wie z. B. Eisen, Calcium, Zink, Jod, in extreme Höhe schießen und der Gehalt in der Futtermischung beträgt dann ein Vielfaches des eigentlichen Bedarfs der Ratten.
Mittlerweile sind mir mehrere Fälle bekannt wo es durch eine Überversorgung mit bestimmten Nährstoffen bei den Ratten zu gesundheitlichen Problemen kam: Ein Beispiel sind Ratten mit Calciumablagerungen in der Blase, was der behandelnde Tierarzt klar auf eine Überversorgung übers Futter zurückführte.
Fazit: In einer Futtermischung halte ich diese Bestandteile tatsächlich für gefährlich! Sie sollten besser gelegentlich als Leckerlis gegeben werden und nicht täglich auf dem Speiseplan stehen.

 

Im folgenden Stelle ich zwei fertige Selbstmischungen und die dafür benötigte Zufütterung vor. Die beiden Mischungen habe ich selbst auf der Grundlage einer ausführlichen Tabelle am Computer, die Angaben zum rattigen Nährstoffbedarf, sowie die Nährwerte einer großen Auswahl von Körnersorten enthält, die als Bestandteile von Rattentrockenfutter in Frage kommen, errechnet. Du kannst diese Tabelle auch unter Downloads herunterladen, um die Hintergrundinformationen der Mischungen selbst anzuschauen oder, wenn Du das nötige Hintergrundwissen besitzen, eine eigene Mischung zu errechnen. 

 

Mischung 1: "Bielefelder Rattenfutter" 

  • 7% Buchweizen
  • 9% Dinkel
  • 15% Hafer
  • 5% Hanfsamen
  • 5% ganze Maiskörner
  • 5% Mohnsamen
  • 15% Reis
  • 15% Roggenflocken
  • 5% Rosinen
  • 4% Sonnenblumenkerne
  • 15% Weizenflocken

 

Analyse: (pro 100g Futter)

Kilokalorien 348,1 kcal; Kilojoule 1456,4 kJ; 

Protein 11,1 g; Fett 5,7 g; Kohlenhydrate 63,1 g; davon Zucker 1,3 g; Ballaststoffe 7,8 g; 

Gesättigte Fettsäuren 0,8 g; Einfach ungesättige Fettsäuren 1,2 g; Mehrfach ungesättigte Fettsäuren 3,1 g; Cholesterin 0 g; 

Vitamine: Vitamin A 0 mg; Vitamin D 0 mg; Vitamin E 2,0 mg; Vitamin K 0,02 mg; Vitamin C 0 mg; Vitamin B1 (Thiamin) 0,5 mg; Vitamin B2 (Riboflavin) 0,1 mg; Vitamin B6 (Pyridoxin) 0,4 mg; Vitamin B12 0 mg; Biotin 0 mg; Folsäure 0 mg; Niacin 2,4 mg; Pantothensäure 1,1 mg; 

Mineralstoffe/Spurenelemente: Calcium (Ca) 98,8 mg; Chlor (Cl) 111,4 mg; Kalium (K) 345,3 mg; Magnesium (Mg) 131,0 mg; Natrium (Na) 43,8 mg; Phosphor (P) 331,8 mg; Schwefel (S) 156,3 mg; Kupfer (Cu) 526,0 µg; Eisen (Fe) 4363,2 µg; Fluor (F) 87,0 µg; Mangan (Mn) 3038,3 µg; Jod (J) 4,3 µg; Zink (Zn) 3039,2 µg; 

Aminosäuren: Alanin 597,4 mg; Arginin 650,2 mg; Asparagin 184,4 mg; Asparaginsäure 826,2 mg; Cystein 222,6 mg; Glutamin 437,1 mg; Glutaminsäure 2927,8 mg; Glycin 542,0 mg; Histidin 243,5 mg; Isoleucin 501,1 mg; Leucin 877,0 mg; Lysin 412,2 mg; Methionin 199,2 mg; Phenylalanin 565,2 mg; Prolin 1071,9 mg; Serin 614,9 mg; Threonin 410,0 mg; Tryptophan 112,9 mg; Tyrosin 346,8 mg; Valin 531,2 mg

 

Zufütterung Mischung 1: 

  • ½ hartgekochtes Ei pro Ratte und Woche + 1 Stückchen Hackfleisch/Fisch oder 1 Hühnerherz pro Ratte und Woche 

oder

  • 1 kleiner bis mittelgroßer Mehlwurm pro Tag + 1/2 TL Joghurt/Quark pro Woche 

oder

  • 1-2 Heimchen pro Woche + 1/2 TL Joghurt/Quark pro Woche 

Fleisch, Fisch und Hühnerherz sollten niemals roh, sondern nur in gekochter Form gegeben werden. Wenn man nicht erstklassige, frische Waren erhält (was in der Praxis niemals mit absoluter Sicherheit nachprüfbar ist, da man nicht weiß, wo die Ware genau herkommt und wie sie vorher behandelt wurde), können Krankheitskeime wie z. B. Listerien, Toxoplasmose oder Botulismus übertragen werden. 

 

Mischung 2: "Tanjas Rattenfutter" (hier vegetarische Zufütterung möglich)

  • 7% Buchweizen
  • 15% Dinkel
  • 7% Hafer
  • 5% Hanfsamen
  • 4% ganze Maiskörner
  • 3% Mohnsamen
  • 12% Reis
  • 15% Roggenflocken
  • 5% Rosinen
  • 5% Sesam
  • 5% Sojaschrot
  • 2% Sonnenblumenkerne
  • 15% Weizenflocken

 

Analyse:(pro 100g Futter)

Kilokalorien 351,8 kcal; Kilojoule 1469,2 kJ; 

Protein 12,5 g; Fett 8,8 g; Kohlenhydrate 55,3 g; davon Zucker 4,9 g; Ballaststoffe 11,0 g; 

Gesättigte Fettsäuren 1,2 g; Einfach ungesättige Fettsäuren 2,1 g; Mehrfach ungesättigte Fettsäuren 5,0 g; Cholesterin 0 g; 

Vitamine: Vitamin A 0 mg; Vitamin D 0,03 mg; Vitamin E 2,2 mg; Vitamin K 0,01 mg; Vitamin C 0,06 mg; Vitamin B1 (Thiamin) 0,6 mg; Vitamin B2 (Riboflavin) 0,3 mg; Vitamin B6 (Pyridoxin) 0,4 mg; Vitamin B12 0 mg; Biotin 0,01 mg; Folsäure 0,03 mg; Niacin 2,43mg; Pantothensäure 1,1 mg; 

Mineralstoffe/Spurenelemente: Calcium (Ca) 212,3 mg; Chlor (Cl) 34,0 mg; Kalium (K) 451,3 mg; Magnesium (Mg) 148,6 mg; Natrium (Na) 8,8 mg; Phosphor (P) 344,8 mg; Schwefel (S) 181,4 mg; Kupfer (Cu) 549,2 µg; Eisen (Fe) 3914,5 µg; Fluor (F) 90,2 µg; Mangan (Mn) 2990,1 µg; Jod (J) 4,7 µg; Zink (Zn) 3119,6 µg; 

Aminosäuren: Alanin 610,4 mg; Arginin 888,8 mg; Asparagin 200,4 mg; Asparaginsäure 10008,9 mg; Cystein 276,8 mg; Glutamin 307,2 mg; Glutaminsäure 3561,4 mg; Glycin 613,4 mg; Histidin 296,0 mg; Isoleucin 540,5 mg; Leucin 985,3 mg; Lysin 505,7 mg; Methionin 236,2 mg; Phenylalanin 623,3 mg; Prolin 1145,4 mg; Serin 676,7 mg; Threonin 466,9 mg; Tryptophan 105,0 mg; Tyrosin 395,5 mg; Valin 506,4 mg

 

Zufütterung Mischung 2: 

  • ½ hartgekochtes Ei pro Ratte und Woche + 1 kleines Stückchen milden Käse pro Ratte und Woche 

oder

  • 1 kleiner bis mittelgroßer Mehlwurm pro Tag + 1/2 TL Joghurt/Quark pro Woche 

oder

  • 1-2 Heimchen pro Woche + 1/2 TL Joghurt/Quark pro Woche

 

Zusätzliche Informationen