Farbratte (lat. Rattus norvegicus f. domestica)

Durchschnittliche Lebenserwartung: 1,5 - 3 Jahre 

Durchschnittliches Körpergewicht: 250-400 g (Weibchen), 400-650 g (Männchen) 

Körpergröße: 22-26 cm (ohne Schwanz, der nochmal fast genauso lang wie der Körper ist)

Körpertemperatur: 37,5 - 39,5°C 

Geschlechtsreife: 4.-6. Lebenswoche (Trennung von Böckchen von Mutter/Schwestern mit 32-35 Tagen) 

Brunstzyklus (Rattigkeit der Weibchen): alle 4-5 Tage für 10-18 Stunden, ganzjährig 

Trächtigskeitsdauer: 21-24 Tage 

Wurfgröße: 5-18 Junge

 

Woher Ratten holen? 

"Woher bekomme ich ein Tier?" - "Aus der Tierhandlung", antworten leider noch viele Menschen auf diese Frage. Warum leider, möchte ich in den folgenden Absätzen erklären: 

Für Zoohandlungen sind Tiere eine Ware, die sie verkaufen, wie andere Geschäfte Bücher oder Kleidung. Aber Tiere sind Lebewesen, wie wir Menschen es auch sind (zoologisch betrachtet, gehören wir zu den Tieren) und ein Lebewesen sollte immer etwas völlig andere sein als eine Ware! 

Eine Ware möchte ein Händler möglichst gewinnbringend verkaufen, also den Kostenaufwand vor dem Verkauf möglichst gering halten. Darum bekommen Zoohandlungen ihre Tiere von Großzüchtern, die in kleinen Makrolonwannen möglichst viel Nachwuchs mit möglichst wenig Aufwand produzieren. Ist ein Tier krank, sieht es sicher niemals einen Tierarzt - das ist zu teuer. Man holt sich also leicht gleich kranke Tiere ins Haus, die bei mangelnder Geschlechtertrennung auch noch trächtig sein können. Außerdem haben Ratten aus Zoohandlungen meist nur wenig Erfahrungen mit Menschen gemacht oder schlechte Erfahrungen (hochheben am Schwanz ist leider öfter noch gängige Praxis - der Schwanz ist aber die Verlängerung der Wirbelsäule und es kann dabei leicht zu ernsten Verletzungen kommen) gemacht. Sie beißen daher leichter, werden oft viel schwerer zahm oder bleiben sogar für immer scheu. So ein System, so einen Umgang mit Lebewesen sollte man nicht unterstützen! 

"Ein Züchter?", werden manche nun vorschlagen. Auch dazu sagen wir: Nein! Es gibt schlicht und einfach schon mehr als genug Ratten, die ein Zuhause suchen und viele die sich Züchter nennen, lassen ihre Tiere ebenfalls auf zu engem Raum sitzen, haben nicht die erforderlichen ausführlichen Genetikkenntnisse und sind nur auf das Geld aus (und sobald es ums Geld geht, bleibt auch hier ein Tierarzt oft zwangsläufig außen vor, weil es sich dann nicht mehr rentiert). Viele, die sich Züchter nennen sind im Grunde nichts anderes als Vermehrer, die eben ein Männchen und ein Weibchen zusammensetzen, um schnell und billig Nachwuchs in möglichst beliebten Fellfarben zu produzieren. 

 

Es geht auch anders: 

Es gibt Ratten in Tierheimen und in Notfallvermittlungen wie auf dieser Seite oder in Foren; dabei handelt es sich um Tiere aller Altersklassen, jeden Geschlechts, jeden Charakters und fast jeder Farbe. 

"Beißen die nicht?", werden einige jetzt fragen ... Die Gründe, warum Tiere im Tierheim oder in der Vermittlung landen sind so vielfältig wie ihre Vorgeschichte: Abgabe aus schlichtem Zeitmangel, aus Allergiegründen, weil sich die Lebenssituation plötzlich geändert hat und nun das Geld/der Platz fehlt, weil man merkte, dass Ratten doch nicht als Haustiere zu einem passen, weil Kinder sich nicht mehr darum gekümmert haben, ausgesetzte Findlinge von der Straße, Ratten aus Wohnungsräumungen wegen außer Kontrolle geratener Vermehrung. Sie werden verstehen, dass daher in Tierheimen und Vermittlungen vom absolut lieben Kampfschmuser bis hin zu schwierigeren Tieren, die auch mal beißen (oft verständlicherweise aufgrund ihrer Vorgeschichte), alle Charaktere vertreten sind. Sie werden unter Notfalltieren also absolut sicher die richtigen Ratten für sich finden! 

 

Gruppenhaltung 

Ratten sind Rudeltiere, die die Gesellschaft von Artgenossen, benötigen. Ratten sind daher mind. zu dritt in gleichgeschlechtlichen Rudeln oder Rudeln aus Weibchen und kastrierten Männchen (Kastrationsquarantäne: mind. 4 Wochen) zu halten. Je größer das Rudel, umso wohler fühlen sich die Ratten. 

Man sollte bei der Rattenanzahl unbedingt die beiden folgenden wichtigen Regeln beachten:  

  • Mindestens 3 Ratten, da man erst ab 3 Ratten von einem Rudel sprechen kann. (2 sind nur ein Paar und Paarhaltung zu zweit führt häufig zu vermehrtem Streit und auf Dauer zu Defizite im Verhaltensrepertoire.) 
  • Man sollte niemals mehr Ratten anschaffen, als man pro Monat 10€-Scheine zur Seite legen kann, also bei 3 Ratten 30€, bei 4 Ratten 40€ usw. - so legt man sich ein Polster für Tierarztbesuche an, die bei den recht krankheitsanfälligen Ratten auf Dauer teuer werden können (die Kosten für eine Tumor-OP können leicht im dreistelligen Bereich liegen). 

 

Vergesellschaftung/Integration 

Einander fremde Ratten dürfen nicht einfach zusammengesetzt werden, sondern müssen schrittweise über Tage hinweg aneinander gewöhnt werden.
Einen ausführlichen Text zum Thema Integration haben wir auf dieser Seite ausformuliert.

 

Käfig 

Ratten werden in Käfigen, Volieren, Unidömen oder Selbstbauten (rattentauglich umgebauter Schrank/Regal) gehalten (im folgenden zusammenfassend „Käfig“ genannt). 

Da sie darin einen Großteil ihres Lebens verbringen, ist die Auswahl des Käfigs sehr wichtig. 

Käfigmindestgröße: 

Grundsätzlich sollten für Länge, Breite und Höhe die Maße L 80 x B 50 x H 80 cm (Innenmaße!) nicht unterschritten werden. Gleichzeitig sollte die Grundfläche mind. 0,5 m² betragen: 80x50 cm ist also nicht artgerecht; Beispiele für artgerechte Grundflächen: 80x65 cm, 85x60 cm, 90x56 cm, 100x50 cm. Die Anzahl der Tiere erhöht die Mindestanforderungen an die Maße:

Definition Grundfläche:
Als Grundfläche bezeichnet man die reine Bodenfläche ohne Etagen! Diese Fläche muss mind. 0,5 m² bei mind. 50cm Tiefe betragen!

 

  • 2 Ratten: 320 L (Maße z. B. L 80 x B 65 x H 100 cm) - wobei die Haltung von nur 2 Ratten nur eine Notlösung und nicht artgerecht ist
  • 3 Ratten: 400 L (Maße z. B. L 100 x B 50 x H 100 cm)
  • 4 Ratten: 500 L (Maße z. B. L 100 x B 50 x H 120 cm)
  • Weitere Angaben nachprüfbar auf www.cagecalc.de

(Auch hier alle Angaben Innenmaße!)

Da Ratten sehr gerne klettern, ist eine Mindesthöhe von 80 cm nicht zu unterschreiten. Außerdem lassen sich erst ab dieser Höhe sinnvoll mehrere Ebenen im Käfig anbringen und der Käfig abwechslungsreich gestalten. Genauso wichtig wie Höhe ist aber auch Lauffläche, warum eine Mindestgrundfläche von 80x50 cm das absolute Minimum darstellt. Der Gitterabstand sollte - v. a. bei Weibchen - unter 1,5 cm betragen. 

Grundsätzlich gilt: Je größer und je abwechslungsreicher gestaltet, umso artgerechter ist ein Käfig! 

Aquarien/ Terrarien sind, wegen mangelnder Belüftung und weil man ausreichende Etagen nicht einbauen kann, für Ratten ungeeignet! 

 

Käfigausstattung 

In den Käfig gehören mehrere Ebenen (mindestens 2, davon mind. 1 Volletage über die ganze Grundfläche), die die von den Ratten nutzbare Lauffläche vergrößern. 

Versteckmöglichkeiten in Form von mehreren Häusern/Röhren müssen vorhanden sein, ebenso weiche Liegemöglichkeiten wie Hängematten/Stoffröhren/Stoffhäuser. Faustregel ist: Mind. 1 Häuschen pro Ratte!

Rattengeeignetes Trockenfutter und Frischfutter (täglich Gemüse/gelegentlich Obst) können in stabilen Näpfen gereicht werden oder zur Beschäftigung der Tiere frei im Käfig verstreut werden. Wasser ist in einer Nippeltränke und/oder einem Wassernapf zu reichen und täglich zu erneuern. 

Als Einstreu eigen sich am besten Zeitungspapier, Papierschredder, Küchentücher und Toilettenpapier. Handelsübliches Kleintierstreu sollte nur in den Toiletten verwendet werden, da die empfindlichen Atemwege der Ratten durch den Staub gereizt werden können.

 

Was auf keinen Fall in den Rattenkäfig gehört! 

Etagen oder Leitern aus Gitter:
Durch das ständige Laufen auf Gitter werden die Füße sehr ungleichmäßig belastet und ungleichmäßiger Druck auf die Fußsohlen ausgeübt, was auf Dauer zu schmerzhaften Entzündungen der Fußballen - auch „Bumblefoot“ genannt - führt. Diese Entzündungen sind sehr schmerzhaft, nur sehr schwer behandelbar, wenn sie erst einmal entstanden sind, und bedeuten für manche Ratte langfristig ihr Todesurteil. 

Hamsterwatte/Watte: 
Damit können sich Ratten Zehen, Pfoten oder Beine abschnüren, zu denen dann die Blutzufuhr unterbrochen ist. Schere Verletzungen oder sogar das Absterben der betroffenen Gliedmaßen sind die Folge. 

Laufrad: 
In herkömmlichen, verfügbaren Laufrädern müssen Ratten die Wirbelsäule an Rücken und Schwanz sehr stark krümmen. Das führt auf Dauer zu nicht wieder gut zu machenden Schäden an der Wirbelsäule, Fehlhaltung des Körpers und Schwanzes und kann mit Schmerzen einhergehen. Ein rattengeeignetes Laufrad müsste rein rechnerisch einen Durchmesser von ca. 1 m (!) haben - was in keinen Käfig mehr passt und auch durch sein Gewicht nicht mehr von den Ratten nutzbar wäre. Außerdem ist intelligenten Tieren wie Ratten ein Laufrad schnell langweilig und monoton. 

 

Ratten werden nicht im Freien gehalten, sondern der Käfig ist im Wohnbereich unterzubringen. Eine Raumtemperatur von mind. 18°C, optimal 20-22°C ist zu gewährleisten. Ab 25-30°C wird es Ratten zu warm. Der Käfig muss vor Zugluft, Sonneneinstrahlung und Gefahren geschützt stehen und sollte einen festen, am besten etwas erhöhten Standort haben. 

Die Ratten dürfen keinen Stressbedingungen ausgesetzt werden, wie z. B. Kälte, Hitze, Nässe, Lärm, Platzmangel, Mangel an Futter oder Wasser, Schmutz, Einzelhaltung usw. 

Beim Verlassen des Wohnbereichs mit Ratten (z. B. Gang zum Tierarzt), müssen die Tiere in einer Transportbox untergebracht werden. Das Bild der Schulterratte ist leider noch in den Köpfen etlicher Menschen, aber für neophobe, revierbezogene und krankheitsanfällige Tiere wie Ratten es sind, ist es purer Stress und ein hohes Risiko, wenn Ratten überall und draußen im Freien mit herum geschleppt werden. 

 

Ernährung 

Extra Rattenfutter ist wichtig!

Ratten sind – im Gegensatz zu einigen anderen Nagetieren – keine reinen Pflanzenfresser, sondern Allesfresser. Allesfresser bedeutet aber nicht, dass man den Tieren wahllos jedes Futter vorsetzen kann; es heißt lediglich, dass sie ein sehr breites Nahrungsspektrum haben und neben pflanzlicher Nahrung auch einen gewissen Anteil an tierischem Protein (bzw. eine Quelle für die darin enthaltenen Aminosäuren und Vitamine) benötigen. Darum sind Fertigfuttermischungen für Kaninchen, Hamster oder andere Nager ebenso wie allgemein als „Nagerfutter“ ausgewiesene Mischungen für Ratten nicht geeignet! Außerdem können Ratten wahre Feinschmecker sein, die genau wissen, was sie wollen – und was nicht. 
Empfehlenswerte Trockenfuttersorten sind z. B. Tima Rattima, Vilmie Rattenfutter und andere.

Neben einem geeigneten Trockenfutter benötigen Ratten täglich Frischfutter. Hier eignen sich verschiedene Obst- und Gemüsesorten, sowie Kräuter, wobei immer mehr Gemüse als Obst (enthält viel Zucker = Dickmacher) gegeben werden sollte. Was erlaubt ist und nicht, findest Du in der Frischfutterliste.

 

Auslauf 

Ratten sind intelligente, bewegungsfreudige Tiere, die täglich mindestens 1-2 Stunde Auslauf in einem abgesperrten Bereich oder rattensicher gemachten Raum (frei von Gefahrenquellen wie Kerzen, zugänglichen Steckdosen, giftigen Pflanzen, Kabel, die benagt werden können, andere Tierarten – ist eine Entfernung nicht möglich, müssen die genannten Dinge so verwahrt werden, dass sie den Ratten nicht zugänglich sind) gewährt werden muss. Dieser muss innerhalb der Wohnräume stattfinden, nicht auf einem Balkon oder im Garten. Er sollte für ein kleines Rudel eine Größe von 3 qm nicht unterschreiten. Größere Rudel brauchen auch einen entsprechend größeren Auslauf und allgemein ist größer natürlich immer schöner für die Tiere.

Der Auslauf sollte Beschäftigung in Form von Kletter- und Versteckmöglichkeiten bieten. 

Außerdem dient der Auslauf auch der intensiven Kontaktaufnahme mit dem Halter und befriedigt ggfs. das Kuschelbedürfnis mit ihrem Menschen. 

 

Käfigreinigung 

Da Ratten selbst sehr reinliche Tiere sind, muss der Käfig meist nur 1x pro Woche gründlich komplett geputzt werden. Bei Bedarf ist häufiger zu putzen, aber wenn man zu viel putzt, erreicht man genau das Gegenteil: Man entfernt zu oft und zu viel vom Rudelgeruch der Tiere und sie reagieren darauf, indem sie verstärkt markieren, sprich mehr in alle möglichen Käfigecken pieseln - und damit stinkt es ggfs. mehr als wenn man seltener putzt. 

 

Zur weiteren Information schlagen wir beispielsweise das Rattenforum Ratteneck vor.
Auf keinen Fall zur Information geeignet sind gewisse Facebookgruppen und Internetseiten, die beispielsweise Blitzintegrationen und ungeeignete Fütterung empfehlen.

Zusätzliche Informationen